Zinn

Haben Sie schon mal gelötet? Nein? Da hätten Sie z.B. schon Lötzinn in den Händen gehalten, der zu 45 Prozent aus Zinn besteht. Aber natürlich wird Zinn nicht auf diese Anwendung zu beschränken sein, denn der globale Jahresverbrauch liegt mittlerweile bereits bei über 300.000 Tonnen. Immerhin 35 Prozent werden zur Produktion von Lötzinn verwendet.

Die Preise für Zinn gehen langsam durch die Decke. Im Jahr 2008 noch unter 9.000 US-Dollar die Tonne, sind nun schon über 31.000 US-Dollar je Tonne an der Metallbörse in London zu zahlen. Für Zinn gelten hier beinahe die gleichen Spielregeln, wie für alle anderen Industriemetalle auch. China spielt hier, wie auch der Rest Asiens eine große Rolle. Stimmt etwas an Chinas Wachstumsstory nicht, werden die Zahlen aus China z.B. nach unten revidiert, so fällt der Zinnpreis wie ein Beil.
 

Verwendung von Zinn


Zinn findet Verwendung beim sog. Verzinnen korrosionsgefährdeter Metalle. Außerdem hat Zinn eine Bedeutung für spezielle Legierungen zusammen mit Kupfer und Blei. Ebenso wird es in der Elektroindustrie verwendet, z.B. als Lötmaterial - in der chemischen Industrie kommt es ebenso zum Einsatz, wie beim Transport von Lebensmitteln in Form von Weißblechcontainern. Zinn wird seit Jahrhunderten als Zinnblech verwendet, z.B. sogar Orgelpfeifen wurden daraus hergestellt (meist sind das die vordersten Orgelpfeifen, die man sieht und die über Jahrzente halten und auch ihre schöne silbrige Farbe erhalten). Diese vielleicht ungewöhnliche Verwendungsart hier zu beschreiben verdeutlicht aber die allgemeine Verwendung von Zinn. Das weiche Material bleibt nahezu lange unverändert und hat neben dem Korrosionsschutz auch noch viele weitere Eigenschaften.
 

Zinn: Herkunft und Eigenschfaten


Das Industriemetall Zinn (chemisches Zeichen - Sn vom lateinischen stannum) ist ein silber-weiß glänzendes Schwermetall. Zinn tritt in drei Formen auf – als tetragonales, kristallierendes beta-Zinn, als rhombisches gamma-Zinn und kubisches alpha-Zinn.

Biegt man einen Zinnstab, vernimmt man dabei ein knirschendes Geräusch, was umgangssprachlich als Zinngeschrei bekannt ist. Zinngeschrei entsteht durch das Aneinandereiben der Zinnkristalle. Zinn ist ein besonders dehnbares Metall, obendrein ist es relativ weich. Durch gerade diese Eigenschaften ist es leicht auswalzbar - man kann es folglich zu sehr dünnen Folien auswalzen (Stanniol).

Zinn reagiert mit Basen und Säuren nur recht langsam und bei starkem Erhitzungsprozess verbrennt es zu Zinndioxid. Dieses weiße Pulver wird z.B. für Polituren und Glasuren verwendet.

In der Natur kommt Zinn in Form von Zinnstein vor - besser durch den Namen Zinnerz bekannt. Zinn kommt selten gediegen vor, man findet es aber in geringen Konzentrationen in Sulfid. Zinn wird zur Gewinnung in Form des Zinnsteins durch Flotation zu konzentriertem Zinngehalt angereichert. Zusätzliche Unreinheiten, wie Schwefel und Arsen, werden durch den Prozess der Abröstung entfernt. Das anfallende Zinndioxid wird durch die Verwendung von Koks reduziert. In diesem Prozess entsteht neben Eisen, Kupfer, Blei und anderen Metallen auch verunreinigtes Rohzinn. Dieses Rohzinn wird dann durch die Seigerung oder Elektrolyse raffiniert. Rohzinn wird auch durch andere Prozesse im Bereich des Recyclings hergestellt.
 

Zinn: Produktion und Nachfrage


In der heutigen Zeit kommen nur noch rund ein Fünftel des weltweit verwendeten Zinns aus Minen. Der Rest kommt aus Flüssen oder vom Meeresgrund oder bereits beträchtlich aus dem Recyclingbereich.

Die globale Nachfrage nach Zinn hat sich, wie auch bei vielen anderen Industriemetallen, stark in Richtung der Länder verschoben, die Zinn auch gerade für den Auf- und Ausbau ihrer Infrastruktur benötigen. China und Indien sind da immer wieder auf der Nachfrageseite stark. Auch durch das Verbot von Blei in vielen industriellen Anwendungen und im Bausektor, z.B. bei Rohren, wuchs die Bedeutung von Zinn. Wie bei den anderen Industriemetallen gab der Kurs während der weltweiten Krise deutlich nach. Die Preiskurven ähneln denen der restlichen Industriemetalle. Besonders Asien gibt letztendlich den entscheidenden Impuls für weitere Kurssteigerungen durch einen erneuten Bauboom und weitere Entwicklung der gesamten Infrastruktur. Gerade Indien wird hier in den nächsten Jahren erhöht auf der Nachfrageseite stehen.

Im Abbau von Zinn ist gerade China mit großem Abstand (über 40%) führend - Indonesien, Peru, Bolivien und Brasilien teilen sich die weiteren Plätze. In der Nachrfrage ist besonders China der größte Zinnkonsument. Mittlerweile ist der Verbrauch von Zinn in China wesentlich höher, als der in den USA und Europa.

Auf Basis der Datenlage von 2009 hat China mit Abstand die höchsten Fördermengen für Zinn und die höchsten Reserven, nämlich 115.000 Tonnen gefördert und 1.700.000 Tonnen in Lagern. Es folgen auf den weiteren Plätzen Indonesien mit 100.000/800.000 Tonnen, Peru mit 38.000/710.000 Tonnen. Auf den weiteren Plätzen als große Produzenten finden sich Bolivien, Brasilien, Kongo, Vietnam, Russland, Australien, Malaysia, Portugal, Thailand. Als größtes Unternehmen wäre besonders Yunnan Tin aus China hervorzuheben, nachfolgend PT Timah aus Indonesien, Minsur aus Peru, Malay aus China und Malaysia Smelting Corporation aus Malaysia.

Allgemeiner Rat: Generell sollte man sich vergleichend die Stahlbranche weltweit ansehen. Zieht der weltweite Stahlverbrauch an, so zieht auch der Veredler Zinn zunehmend an.
 

Handel mit dem Industriemetall Zinn


Das Industriemetall Zinn ist in verschiedenen Formen handelbar. Der Handel mit Zinn erfolgt am weltweit größten Handelsplatz für Metalle, der London Metal Exchange (LME).

Über die Börse oder aber auch außerbörslich sind eine Vielzahl von Investitionsmöglichkeiten in den Rohstoff Zinn möglich. Zahlreiche Institute geben Anlegern die Möglichkeit, neben dem direkten Handel an den Warenterminbörsen auch in Form von Derivaten am Handel teilzunehmen. Dies kann z.B. über Zertifikate, Fonds oder CFDs stattfinden.
 

Handel mit Zinn - BesoNderheiten:


Indikator für die weitere Preisentwicklung beim Industriemetall Zinn können z.B. die täglich herausgegebenen Lagerbestände der LME-Lagerhäuser sein. Dieses Zahlenwerk gibt u.a. Aufschluss über die Warenbewegungen. Die Warenhäuser sind explizit für den jeweiligen Rohstoff lizenziert und reguliert. Die jeweiligen Statistiken über die Warenbewegungen erfolgen auf täglicher Basis, aber auch auf Wochen- und Monatsbasis.

Kontraktspezifikationen von Zinn an der LME