20.01.2012

ETX Capital: DAX30-Index vor Entscheidung

Der DAX30-Index befindet sich nach den Kursgewinnen der letzten Tage an einem entscheidenden charttechnischen Punkt. Zum einen stößt der deutsche Leitindex von unten an den 200-Tage-Durchschnitt, der für viele Markttechniker einen wichtigen Trendfilter darstellt. Momentan verläuft der 200-Tage-Durchschnitt für den DAX30 bei 6375 Punkten. Sollte der deutsche Aktienindex in den kommenden Tagen signifikant über diese wichtige Linie laufen, dann könnte die Trendampel bei vielen Investoren auf grün springen und in Folge zusätzliche Aktienkäufe generieren.

Zusätzlich befindet sich der Kurs des DAX30-Index kurz vor dem Bruch einer charttechnisch wichtigen Widerstandslinie, die bei 6430 Punkten verläuft. Sollte das deutsche Aktienbarometer den Widerstand bei 6430 Punkten nachhaltig überschreiten, dann wäre der Weg bis in den Bereich von 7000 Punkten vorerst frei. Bis zu diesem Kursniveau hätte der DAX30 aus Sicht der Chartanalyse keine nennenswerten Widerstände mehr vor sich. Für Investoren und Fondsmanager, die sich bislang aufgrund der Sorgen über die Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise und einer Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums mit ihren Aktieninvestments zurückgehalten haben, könnte ein Ausbruch des DAX30-Index über die genannten Marken eine Kaufentscheidung erzwingen.

Auch der VDAX, das Volatilitätsmaß des DAX30-Index, signalisiert mit Kursniveaus um 24 Punkte eine deutliche Beruhigung des Marktsentiments. Die lokalen Höchststände des VDAX lagen noch im Oktober 2011 mit Kursständen bei knapp 48 Punkten auf Krisenniveau. Der VDAX zeigt den Marktteilnehmern an, wie viel Nervosität im Markt vorherrscht. Unterm Strich weist die technische Analyse des DAX30 darauf hin, dass sich die Situation stabilisiert hat. Erst DAX-Kurse unterhalb von 6000 Punkten könnten das positive charttechnische Bild des deutschen Aktienindex neutralisieren.
 
Aus fundamentaler Sicht bleibt den Märkten die Eurokrise auch im Jahr 2012 erhalten und nicht wenige Analysten reden von einem Schicksalsjahr für den Euro. Die Maßnahmen der EZB zur Stärkung der Liquiditätslage der europäischen Banken auf Sicht der nächsten drei Jahre und die gelungenen Anleihenauktionen europäischer Problemstaaten haben bislang ihre Wirkung nicht verfehlt und könnten die Marktteilnehmer auch in den nächsten Wochen beruhigen.

Das könnte der europäischen Politik wertvolle Zeit in der Bekämpfung der Schuldenkrise verschaffen. Selbst die massive Herabstufung der Bonität vieler Euroländer durch die Ratingagentur Standard & Poor’s konnte die positive Stimmung der Marktteilnehmer nicht nachhaltig ändern. Nichtsdestotrotz schweben die strukturellen Probleme der Eurozone wie ein Damoklesschwert über den Märkten und dem DAX30-Index.


 
Neben den Problemen der Eurozone drängt sich zunehmend die Frage in den Vordergrund, inwieweit die chinesische Volkswirtschaft von der globalen Wachstumsdelle, die die meisten Analysten erwarten, betroffen sein wird. Die chinesische Wirtschaft wuchs im vierten Quartal 2011 um 8,9 Prozent verglichen mit dem vierten Quartal 2010. Das ist immer noch ein Wachstum von dem andere Volkswirtschaften nur träumen können, für chinesische Verhältnisse jedoch das schwächste Wachstum seit zwei Jahren.

Volkswirte stellen sich verstärkt die Frage, ob die hohen Wachstumsraten Chinas, die im Schnitt in den letzten zwei Jahren deutlich oberhalb von 9 Prozent lagen, der Vergangenheit angehören und in Zukunft von moderaten Wachstumszahlen um den Bereich von vier bis fünf Prozent abgelöst werden. Einige Analysten warnen sogar vor einem Platzen der chinesischen Immobilienblase. Mehrere Rohstoffe, hier allen voran die Industriemetalle, haben in den letzten Monaten schon auf breiter Front abgewertet und signalisieren eine deutlichere Verlangsamung des chinesischen Wachstums. Geringere Wachstumsraten in China blieben sicherlich auch für die Ertrags- und Umsatzlage Export orientierter DAX-Unternehmen nicht ohne Auswirkungen.
 
Privatanleger, die der positiven Stimmung am Markt nicht trauen, könnten sich alternativ den marktneutralen Strategien, auch Pairs Trading genannt, zuwenden. Diese Art von Strategie ist für Privatanleger relativ einfach mit Contracts for Difference (CFDs) umzusetzen. Merkmal dieses Handelsansatzes ist, dass zwei Werte gegeneinander gestellt werden, indem man den starken Wert Long geht und mit dem gleichen Handelsvolumen den vermeintlich schwachen Wert Short geht. Wer z.B. erwartet, dass der global agierende Konsumgüterproduzent Adidas auch in Zukunft den DAX30-Index outperformt, der kann sich diesen Handelansatz zu nutze machen, indem er DAX30 CFD Kontrakte Short geht und zur gleichen Zeit Adidas CFDs kauft.

Mit dieser Strategie kann man also auch in fallenden Märkten an der relativen Stärke von Aktien partizipieren. Im unteren Chartbild sieht man sehr gut die enge Korrelation der K+S Aktie mit dem DAX30-Index, bezogen auf den Kursverlauf in Prozent im letzten halben Jahr. In den letzten zwei Monaten hat die enge Korrelation ausgesetzt und die K+S Aktie hat stark underperformt. Wer diesen Verlauf als nur temporär ansieht, der könnte auf eine Konvergenz der Performances der K+S Aktie und des DAX30-Index über die angesprochene Strategie setzen, ohne dem Marktrisiko ausgesetzt zu sein. Natürlich heißt marktneutral nicht risikolos und wie bei jedem Trade, so muss auch hier diszipliniert mit Stopps agiert werden.

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