06.02.2012

FXCM Wochenausblick: Angesichts des Dow Jones-Anstiegs droht US-Dollar einzubrechen

Grundsätzlicher Ausblick für den US-Dollar: Neutral

US-Dollar

  • Der Nonfarm Payrolls Report übertrifft die Erwartungen mit einem Anstieg um 243.000 Arbeitsplätze, jedoch sind die Daten lückenhaft
  • Anhaltende Risikobereitschaft sabotiert die Fähigkeit des US-Dollars, sich zu erholen
  • Der EUR/USD-Kurs rutscht trotz eines Anstiegs der Aktien auf die höchsten Werte seit mehreren Jahren ab

Über den unmittelbaren Trend des Greenback gibt es nur wenig zu diskutieren. In etwa drei Wochen fiel der Dow Jones FXCM Dollar Index um fast 360 Punkte bzw. 3,6 Prozent. Gegenüber dem Jahresbeginn, als der Benchmark drohte, den höchsten Wert seit 12 Monaten zu erreichen, ist das eine deutliche Änderung des Verhaltens. Im Prinzip gibt es eine grundlegende Rechtfertigung für dieses Nachgeben. Wir haben beim Dow Jones Industrial Average einen gewaltigen Anstieg der Risikobereitschaft erlebt, der den Index mit dem höchsten Wert seit vier Jahren schließen ließ. Falls dieser Risikotrend weiter ansteigt, kann man den ertragsschwachen Safe-Hafen Dollar kaum vor dem Straucheln bewahren. Was geschieht jedoch, wenn wir von diesem zunehmenden Optimismus nicht überzeugt sind...

Tatsächlich gehen tausende verschiedene Elemente in die Berechnung des Marktwertes einer Währung ein (z.B. der Zustand des Wohnungssektors, die Verfügbarkeit von Kapital, der Rohstoffverbrauch, die Neigung zu Konjunkturprogrammen, Erwartungen hinsichtlich der Zinssätze und vieles mehr). Glücklicherweise gibt es jedoch nur wenige Schlüsselfaktoren, die einen unermesslichen Einfluss auf die Entwicklung einer Währung haben. Die Schwierigkeit besteht darin, diese Katalysatoren zu bestimmen und ihren Einfluss zu bewerten. Was den Dollar anbelangt, so besteht der wesentliche Cocktail aus: Risikotrends, dem Bestreben, sich vom Euro weg zu diversifizieren und der Erwartung eines Quantitative Easing 3.

Betrachtet man eine über 20 Tage gleitende Korrelation zwischen dem Benchmark US-Dollar Index und dem S&P 500, so stellt man fest, dass die Safe-Hafen-Währung und der Standard für blinde Risikobereitschaft mit einem Wert von -0,87 korrelieren. Diese außerordentlich starke Verknüpfung deutet darauf hin, dass die beiden Indizes sich meist mit gleicher Stärke in verschiedene Richtungen bewegt haben. Daher drücken der Anstieg des S&P 500 auf ein Sechs-Monats-Hoch und das Schließen des Dow Jones auf einem Vier-Jahres-Hoch die Lage ziemlich deutlich aus. Andererseits gibt es keine Garantie für die zugrundeliegende Triebkraft (Risikobereitschaft). Aktien und der Carry Trade zwischen den üblichen Währungspartnern streben seit Ende Dezember in die Höhe. Der jüngste, viel propagierte Vorstoß wurde durch die Veröffentlichung der Beschäftigungszahlen vom Januar noch weiter angekurbelt.

Wir sollten einen kritischen Blick auf die Beständigkeit des optimistischen Investorenverhaltens werfen und mit den Beschäftigungszahlen vom Freitag beginnen. Die Angaben eines Nettoanstiegs von 243.000 Arbeitsplätzen und der geringsten Arbeitslosenquote seit drei Jahren (8,3 Prozent) werden angesichts der Anpassungen, die vom Bureau of Labor Statistics vorgenommen werden, mit Skepsis betrachtet (insbesondere die Art und Weise, wie jene verärgerten Amerikaner ausgewiesen werden, die den Arbeitsmarkt verlassen). Doch müssen wir uns darüber nicht in eine Diskussion vertiefen. Für die Kursentwicklung ist entscheidend, was der Markt als würdig erachtet (egal, ob es sinnvoll ist oder nicht). Auch wenn wir die Arbeitsmarktstatistik als maßgeblich ansehen, so können die Angaben vom Januar nur wenig vom zugrundeliegenden Trend ablenken (was bedeutet, dass sie bereits eingepreist waren) und das Tempo führt nicht gerade dazu, dass die USA in absehbarer Zeit ein Land sein werden, in dem „Vollbeschäftigung“ herrscht. Darüber hinaus wird ein stetiger – wenn auch glanzloser – Trend zu einem gesunden Arbeitsmarkt den Druck reduzieren, ein heiß begehrtes Quantitative Easing 3 vorzunehmen, auf das sich viele verlassen haben.

Jenseits des Einflusses von Arbeitsmarktdaten haben wir die Überzeugung, risikoreiche Positionen wirksam einzusetzen, schon seit einiger Zeit infrage gestellt. Starke Trends werden durch maßgebliche Beteiligung bestimmt, welche das erreichte Level verfestigt und die Märkte weiter vorantreibt. Nichtsdestotrotz führte dieser Trend nie zu wirklichen Umsatzzahlen. Der Grund dafür ist nicht schwer zu verstehen, da Ängste eines globalen Konjunkturrückgangs, schwindende Erträge und Anzeichen finanzieller Spannungen in verschiedenen Gegenden der Welt einen dunklen Schatten auf die Märkte werfen. Obwohl es nicht klug wäre, gegen einen vorherrschenden Trend anzukämpfen, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass Kursgewinne bei geringen Umsätzen massive Korrekturen erfahren könnten, sobald die Skeptiker mit voller Kraft zurückkehren.

Ein weiterer Faktor, den wir zu Beginn der kommenden Handelswoche berücksichtigen sollten, ist die Entwicklung des Euro. Neuerliche Ängste, dass das Abkommen mit Griechenland scheitern könnte, verhinderten einen Anstieg der Einheitswährung am Freitag. Das ist ein weiterer Segen des liquiden Dollars.

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