Was sind Emerging Markets?

Das englische Verb Wort "to emerge" lässt sich im Deutschen unterschiedlich wiedergeben. Sich abzeichnen, aufkommen, aufstreben, auftauchen, bekannt werden, sich herausbilden oder hervortreten sind einige der geläufigsten Übersetzungen. In diesem Sinne werden als Emerging Markets solche Märkte bezeichnet, die sich gerade entwickeln und an Bedeutung gewinnen.

Im ökonomischen Sinne werden darunter vor allem die Märkte der so genannten Schwellenländer verstanden, die sich auf dem Weg vom Entwicklungsland zur modernen industrie- und dienstleistungsorientierten Volkswirtschaft befinden. Dazu zählen große, bevölkerungsreiche Staaten wie China und Indien ebenso wie kleinere Volkswirtschaften, beispielsweise in zentral- und osteuropäischen Ländern wie Rumänien oder Bulgarien.

Dynamisches Wachstum und niedriges Lohnniveau

Gemeinsam ist allen diesen Märkten, dass sie im Vergleich zu den etablierten Industrienationen in Westeuropa und Nordamerika ein wesentlich dynamischeres Wirtschaftswachstum aufweisen und dass auch ihre Bedeutung für die Weltwirtschaft insgesamt immer mehr zunimmt. Weitere typische Merkmale von aufstrebenden Märkten sind neben den hohen Wachstumsraten das meist noch relativ niedrige Lohnniveau, ein geringeres Durchschnittsalter der Bevölkerung und höhere Geburtenraten als in den "alten" Industrienationen; dazu kommt die Tatsache, dass in diesen Ländern bei hochwertigen Konsumgütern noch keine Marktsättigung erreicht ist. Einige von ihnen verfügen zudem auch über wertvolle Bodenschätze und Rohstoffe.

Abkürzungen: BRICs & Co

Häufig werden bestimmte Wachstumsmärkte auch zusammengefasst. Eine in diesem Zusammenhang besonders oft verwendete Abkürzung, die sowohl im Namen entsprechender Anlageprodukte als auch in Marktreports und ähnlichen Veröffentlichungen immer wieder auftaucht, ist "BRIC". Diese Abkürzung setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Ländernamen Brasilien, Russland, Indien und China zusammen und geht auf Jim O'Neill zurück, der sie als Chefvolkswirt der US-amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs 2001 zuerst verwendete. Häufig finden sich auch weitere ähnliche Abkürzungen wie BRICS, BRICK, BRIICS und BRICSAM, die durch Einbeziehung weiterer Länder entstehen.

Das "S" steht in diesem Zusammenhang für Südafrika, "M" für Mexiko und ein zweites "I" für Indonesien. Das "K" repräsentiert üblicherweise (Süd-)Korea, gelegentlich jedoch auch Kasachstan. Hierbei ist anzumerken, dass Südkorea bereits seit längerem den Status eines entwickelten Industrielandes erreicht hat, aber weiterhin sehr dynamisch wächst. Kasachstan wiederum wird nicht nur wegen des starken Wirtschaftswachstums, sondern vor allem auch wegen seiner zunehmenden Bedeutung als Energielieferant zu dieser Ländergruppe gezählt.

Hinter dem "A" verbirgt sich kein einzelnes Land; vielmehr steht der Buchstabe für den 1967 gegründeten Verband Südostasiatischer Nationen (Association of Southeast Asian Nations, abgekürzt: ASEAN). Neben den fünf Gründern dieses Staatenbundes - Thailand, Indonesien, Malaysia, den Philippinen und Singapur - sind inzwischen weitere Nationen wie Brunei, Vietnam, Myanmar, Laos und Kambodscha dazugestoßen. Einige der ASEAN-Staaten sind bereits in den 1980er Jahren zusammen mit Taiwan und Hongkong als so genannte Tigerstaaten oder Pantherstaaten bekannt geworden.

Next Eleven

Eine weitere wichtige Ländergruppe in diesem Kontext sind die Next Eleven (N-11). Auch diese Bezeichnung wurde durch Jim O'Neill geprägt, der damit jene elf Länder meinte, die seiner Einschätzung nach in absehbarer Zukunft einen ähnlich dynamischen Aufschwung erleben könnten wie die BRIC-Staaten. Dabei handelt es sich um Ägypten, Bangladesch, Indonesien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, die Philippinen, Südkorea, die Türkei und Vietnam.

Ein Blick auf einige Eckdaten macht deutlich, um welche Dimensionen es sich bei den aufstrebenden Märkten der Schwellenländer handelt und mit welchen enormen Potenzialen dort zu rechnen ist. So leben allein in den vier BRIC-Staaten rund 2,8 Milliarden Menschen beziehungsweise 40 Prozent der Weltbevölkerung. Die jährlichen Steigerungen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen in diesen Ländern typischerweise zwischen fünf und zehn Prozent, während die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im Schnitt zwei Prozent Wachstum erreichen.

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