25.05.2012

XTB: DAX: Sollte etwa Deutschland den Euroraum verlassen?

So irrsinnig sich die Überschrift auch anhören mag, ein Quäntchen Wahrheit ist wohl dran. Schaut man sich die aktuellen Meldungen an, wird einem sofort klar, dass Deutschland nach Sarkozys Abgang alleine da steht und die gemeinsamen Anleihen vehement ablehnt. Frau Merkel beruft sich bei ihrer Ausführung auf die gemeinsam unterschriebenen Verträge, aus denen explizit hervorgeht, dass dies bei der Gründung ausgeschlossen wurde. Mittlerweile hat sich jedoch die Situation maßgeblich verändert. Die nächsten Wochen werden sehr spannend werden, denn im Moment entscheidet sich nicht nur das Schicksal Europas und deren Bürger, sondern auch das der zukünftigen Generationen.

 

IWF-Chefin Christine Lagarde appelliert derweil ebenfalls an die Euroländer, dringend weitere Schritte zu unternehmen, wobei Sie die gemeinsame Haftung aller Mitgliedsstaaten für die Staatsschulden anspricht. Auch die OECD vertritt diese Meinung. Wenn auch skeptischer, denn durch Euro-Bonds sollen Sünderstaaten welche unter den hohen Kapitalanforderungen leiden, nicht dazu angeregt werden nach Einführung mehr Schulden aufzunehmen. Im Gegenteil, es sollen wieder zukunftsorientierte Anreize geschaffen und die Wettbewerbsfähigkeit hergestellt werden. Die OECD rechnet außerdem vor, dass sich der Finanzierungsbedarf Spaniens und Italiens in diesem und im nächsten Jahr auf ca. 1,25 Billionen Euro belaufen wird.

 

Der neue französische Präsident François Hollande, Italiens Ministerpräsident Monti sowie der britische Premier David Cameron vertreten ebenfalls die Einführung gemeinsamer Anleihen. Herr Monti ließ gestern Abend verlauten, dass er die Wahrscheinlichkeit eines Austritts der Griechen als sehr gering einschätze. Dabei unterstrich er nochmals die gemeinsame Haftung aller Länder für die Schulden anderer. Alleine diese Aussage war auch für die kleine Erholung des Dow Jones in den letzten Handelsminuten verantwortlich.

 

Frau Merkel lässt derweil verlauten, dass die Einführung von Euro-Bonds und der dadurch zustande kommende Vertragsbruch nicht durchsetzbar ist, da es den Mitgliedsländern vertraglich nicht erlaubt ist, die Schulden auf andere Mitgliedsstaaten zu übertragen bzw. eine gemeinsame Haftung zu erzwingen. De facto spricht sich Merkel gegen die Einführung der Euro-Bonds aus. Allerdings sind weder Merkel noch Schäuble dazu gewillt, die Griechen aus dem Euroraum zu „entlassen“. Wie das unter einen Hut gebracht werden soll wissen wohl beide nicht genau, denn die Griechen benötigen dringend frisches Kapital, da sonst der Staatsbankrott droht.

 

Die Renditen für griechische Anleihen lassen dies jedoch nicht zu, die Kapitalgeber verlangen abstruse Zinsen. Nur durch Euro-Bonds wären die Griechen wieder in der Lage, sich vernünftig am Kapitalmarkt zu finanzieren und von den „günstigen Durchschnittszinsen“ aller Länder zu profitieren. Selbstverständlich wird hier an dieser Stelle jedem klar, dass die Finanzierungskosten für die Deutschen deutlich über dem aktuellen Stand liegen werden, sollten Eurobonds eingeführt werden. Die größte Gefahr eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone ist die Tatsache, dass die Spekulanten daraufhin die Italiener und die Spanier attackieren werden. Sollte eines dieser beiden Länder ins Wackeln geraten, wird es für die Mitgliedsländer nicht mehr möglich sein den gemeinsamen Währungsraum effektiv gegen Angriffe zu schützen, da die Kosten bei den beiden Wackelkandidaten um ein Vielfaches höher liegt als das der Griechen. Auch die Folgekosten, wenn es beispielsweise zu einem Austritt Italiens kommen sollte, wären nicht absehbar.

 

Die obigen Meldungen aus der Politik lassen für den FDAX® nichts Gutes erahnen, zumal der gebildete doppelte Boden nicht stark genug ist, dem politischen Druck standzuhalten. Die S-K-S Formation ist weiterhin intakt, das Abwärtspotenzial liegt bei 5.850 Punkten. Für den heutigen Handelsverlauf sind vor allem Nachrichten aus der Politik maßgebend. Das Aufwärtspotenzial liegt heute bei 6.377 Punkten. Sollte dieser Widerstand gebrochen werden, könnte der FDAX® bis auf 6.448 Punkte steigen. Die Wahrscheinlichkeit für das Aufwärtspotenzial ist jedoch auf Grund der Krisensituation und des andauernden Abwärtstrends klar begrenzt. Das Abwärtspotenzial liegt für den heutigen Tagesverlauf bei 6.296 bzw. 6.241/6.221 Punkten. Sollte der Dow Jones um 15.30 Uhr einen schlechten Start hinlegen, werden die angeführten Marken schnell erreicht werden. Es empfiehlt sich mit Stops zu arbeiten, die ca. 20/25 Punkte von den jeweiligen Marken entfernt liegen.



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