07.07.2011

Reis: Das Korn rollt nun auch in Tokyo

Rohstoff Alarm (Wochenausblick)
Neuigkeiten zum Thema Reis gibt es diese Woche aus Japan. Die TGE - Tokyo Grain Exchange hat seit diesem Monat - dem Juli - den Handel mit Reis-Futures begonnen. Nun können auch in Japan Reis-Futures gehandelt werden. Die TGE hatte die Erlaubnis noch vom Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei abwarten müssen - nun gab es grünes Licht. Jetzt kann auch in Japan die Reisindustrie über den Terminmarkt in Japan Hedgingstrategien verfolgen, umsetzen und ihr Risiko im Heimatmarkt Japan managen. Die transparente Preisbildung an der Börse wird als Benchmark für die restliche Reispreisbildung dienen. Chef Yoshiaki Watanabe (CEO der TGE) ist mächtig stolz auf diese Marktentwicklung. Reis wurde in Japan in Osaka schon um 1730 an Terminmärkten gehandelt - an der damaligen Tokyo Rice Exchange, dem Vorgänger der TGE. 1939 war das Ende des Handels gekommen - der Krieg zwang den Markt in die Knie. 72 Jahre hat es gedauert und endlich kann wieder Reis terminbörslich gehandelt werden.

TGE-Kontrakt für Reis

Der Kontrakt an der TGE umfasst 60 kg Reis (1 hyo = 2 Säcke), die Handelszeiten (Tokyo-Zeit) gehen von 09:00 - 15:30 Uhr in der Tagessession und von 17:00 - 19:00 Uhr in der Abend-Session. Gehandelt werden kann ab der Trading Unit von 6.000 kg (100 hyo = 200 Säcke). Die Handelsmonate sind die nachfolgenden 6 Monate. Immer am 20. eines Monats ist der letzte Handelstag des betreffenden Monatskontrakts, 5 Geschäftstage danach liegt der Liefertag. Die Lieferorte liegen naturgemäß in Japan. Es sind lizenzierte Warenhäuser in den Präfekturen Tokyo, Kanagawa, Saitama, Chiba, Ibaraki und Tochigi.

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Die Reis-Futures sind in den letzten Handelstagen wieder deutlich angesprungen und klettern nun auf ein 4-Monats-Hoch. Grund waren die Berichte über eine reduzierte Pflanzung von Reissetzlingen in den USA. An der Terminmarktbörse in Chicago waren noch vor wenigen Handelstagen die Kurse bis auf USc 14,05 zurückgefallen. Nun setzte eine Rally ein und brachte die Kurse am heutigen Donnerstag teils auf USc 15,90. Eine beachtliche und sehr schnelle preisliche Korrektur. Trader suchen immer einen Grund für Kauf und Verkauf im kurzfristigen Handel. Hier waren es die Setzlinge für Reis. Die Neubepflanzung ging in den USA um 26 Prozent zurück, wie die Regierung bestätigte. Die Bauern wechselten teils zu anderen Getreidearten wie Weizen oder Mais, nebenbei vernichtete die ein oder andere Flut weitere Felder. Dies führte zu einem beinahe zweistelligen prozentualem Anstieg des Reispreises. Spezialisten zeigten sich überrascht, wie hoch der Wechsel der Landwirte zu anderen Getreidearten ausfiel, zudem verwiesen sie auf die weniger optimale Qualität des gelagerten Reis-Bestands. Für nun noch stärkere Anstiege müssen jedoch weitere Katastrophen in wichtigen Anbaugebieten, wie Thailand oder Vietnam passieren. Nur so etwas könnte Preise jenseits der USc 20,00 bringen!

Konsum in den USA steigt an

Hätten Sie übrigens gedacht, wie lange es schon nachweislich Reis als Kulturpflanze bzw. auch als Nahrungsmittel gibt? Es sind nämlich deutlich mehr als 7.000 Jahre her. Das "Museum of Natural History" hat Radiocarbontests gemacht und bei Funden von alten Behältnissen, in denen Reis lag herausgefunden, dass diese Reiskörner über 7.000 Jahre alt sein müssen. Die Pflanze kam wohl von Indien nach China und dann weiter ostwärts in Richtung Japan und in andere asiatische Länder. In den USA ist Reis heute auch ein wichtiger landwirtschaftlicher Bestandteil geworden. Heute produzieren sechs Bundesstaaten der USA (Arkansas, California, Louisiana, Mississippi, Missouri and Texas) dieses Nahrungsmittel. Davon wird gut die Hälfte allein in Arkansas angebaut. In den USA steigt derweil der Reiskonsum an und gewinnt an Popularität, was auch auf den steigenden Anteil der asiatischstämmigen Bevölkerung zurückzuführen sein könnte.

Exkurs zum Thema Reis

Hier nochmals ein paar Besonderheiten des Handels mit Reis an der CBOT - Chicago Board of Trade. Die Future-Kontrakte haben ihr Ticker-Symbol in der “Open Auction” mit RR - in der für uns maßgeblichen Ausführung (siehe Chart) das Symbol ZR für die elektronische Variante. Die Kontraktmonate sind September, November, Januar, März, Mai und Juli. Die Quotierung erfolgt pro "bushel". Aus dem Typ "RoughRice" können verschiedene Typen von Reis produziert werden. Ob für Nahrungsmittel für den Menschen, Tierfuttermittel, zum Brauen von Bier - der Bedarf wuchs seit den 80er-Jahren stetig -gerade in den USA.

Reis braucht hohe Durchschnittstemperaturen während der Anbauzeit und ein hohes Maß an Feuchtigkeit bzw. viel Wasser. Die Gegebenheiten zum Anbau von Reis sind somit auf spezielle Gebiete beschränkt. Auch die Böden dürfen nicht zu wasserdurchlässig sein, da Reis sumpfartig immer "unter Wasser" steht - z.B. baut man Reis in den USA im Bundesstaat Texas an, wo er bereits im März ausgesäht wird. Auch im Delta baut man viel Reis an zu dieser Zeit. Später im April noch in Kalifornien. Die Hauptzeit der Ernte fällt somit in die Sommermonate in Texas bis nach Louisiana. Die Spitze der Erntezeit in den US-amerikanischen Feuchtgebieten/Südgebieten ist von September bis Oktober. In diesen Monaten ist es auch immer von Wichtigkeit die Daten des Agrarministeriums hinsichtlich der jeweiligen Ernteangaben zu überprüfen, um ggf. auch Rückschlüsse auf den Verlauf und das etwaige Ergebnis der Ernte zu erhalten. Nebenbei erwähnt ist Reis gerade auch gerade aufgrund des hohen Aufwands bei den Anbaubedingungen und Weiterem eines der im Anbau teuersten Getreidearten. Die USA bauen nur 2% des weltweiten Reis an. Die Hauptanbaugebiete liegen (wie es zu erwarten war) in Asien. China, Indien, Vietnam, Thailand und Indonesien bauen über 70% des weltweit angebauten Reis an. Asien ist auch der größte Verbraucher gefolgt von Afrika. Nach Weizen und Mais rangiert Reis in der weltweiten Wichtigkeit für Nahrungsmittel und als Grundlage für weitere Nahrungsmittel auf Rang drei! Wie für viele Rohstoffe, so gibt es auch von offizieller Stelle des US-Departments of Agriculture einen periodisch erscheinenden "Reisbericht" - die UN-Daten sind auch jederzeit zur Hilfe heranzuziehen.

Mehr Informationen zu Reis und seinen Kontraktspezifikationen finden Sie wie gewohnt in unserem Wissens-Bereich.

Reis mit charttechnischem Rebound

Mit Rohstoff Signale täglich halten wir bereits seit geraumer Zeit eine Long-Positionierung in Reis. Um tatsächlich einen Punkt wären wir beinahe aus dem Produkt geflogen, doch die Barrier hielt und wir machten den Rebound ebenso mit. Rohstofftrading kann eben auch nervenaufreibend sein. Gerade der Reis-Kontrakt ist sehr dünn und stärkere Zuflüsse lassen den Markt hier schnell in die eine oder andere Richtung erheblich ausschlagen.

Innerhalb weniger Handelstage zog Reis von seinen Zwischentiefs um USc 14,05 davon - technisch betrachtet ein relativ kurzfristiger und starker Rebound. Von 14,05 ging es in wenigen Handelstagen nun auf 15,85 hoch - Respekt! Noch im Dezember 2009 stand man beim Preis von USc 19,25 im Hoch, das Tief lag bei USc 11,98 am 30.06.2010. Das Zwischenhoch erreichte der Rough-Rice-Future 09/2011 dann mit USc 17,93 am 09.02.2011.

ZR ROUGH RICE FUTURE 09/2011 mit RSI, MACD und PivotsKlicken Sie hier, um eine grafische Darstellung zu erhalten:

ZR ROUGH RICE FUTURE 09/2011 mit RSI, MACD und Pivots


Wie sieht der ZR-Rough Rice-Future charttechnisch betrachtet aus?

Zum Zeitpunkt der Analyse notiert der Reis-Future-ZR 09/2011 bei USc 15,78 (Donnerstag, den 07.07.2011, 10:35 Uhr) im Tageschart.

Der Reis-Future-ZR 09/2011 generiert einen RSI-Wert von 63,5555 im Tageschart und befindet sich im neutralen Bereich.

Zum Zeitpunkt der Analyse generiert der Reis-Future-ZR 07/2011 folgende Unterstützungen und Widerstände:

S1/S2/S3 15,28/14,94/14,69 und Widerstände R1/R2/R3 15,87/16,12/16,46.

In der neuen Woche werden wir bei Rohstoff-Alarm wieder neue Positionierungen prüfen und Ihnen direkte Rohstoffinvestmentmöglichkeiten vorschlagen - wie Sie den Rohstoff-Alarm beziehen können, erfahren Sie u.a. auch im weiteren Abspann dieses Artikels.

Denken Sie immer an eine vernünftige und besonnene Weise des Handels mit Derivaten. Derivate können Ihnen im wahrsten Sinne des Wortes die Schuhe ausziehen. Beherzigen Sie immer eine genaue Risikoprüfung und haben Sie Ihr Risiko- und Moneymanagement im Griff und vor allem sich selbst und Ihre Gefühle bei jedem eingegangenen Trade. Sie handeln nicht gegen den Markt, sondern nur gegen sich selbst! Jeden einzelnen Handelstag!

Ich wünsche allen Rohstoff-Tradern und Rohstoff-Interessierten ein erholsames Wochenende und einen erfolgreichen Start in die neue Rohstoff-Handelswoche!

( Dirk Friczewsky, Chefanalyst Rohstoff-Alarm )


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