31.08.2011

Brent Crude: Nordseesorte Brent stark durch Lybien und Nigeria

Rohstoff Alarm (Wochenausblick)
Die Preise für Rohöl der Nordseesorte Brent Crude sind in den letzten Handelstagen wieder stark angezogen und marschieren Schritt für Schritt in Richtung der alten Hochs von 2011. Indikationen der Handelshäuser Deutsche Bank z.B. wiesen für die Handelszeit des Dienstag, den 30.08.2011 kurz vor 20:30 Uhr auf Kurse knapp um die Marke von US-Dollar 114,03 das Barrel hin. Gründe für die wieder anziehenden Preise sehen Händler vor allem durch die Geschehnisse in Lybien. Aber auch Nigeria hat hier eindeutig großen Einfluss auf die Preisbildung. Viele Trader, nicht nur in London, sondern auch in Übersee an den Terminmärkten in den USA in New York und Chicago sind sich sicher, dass hier Nigeria sogar noch eine größere Rolle spielt.

Lybien und Nigeria belasten
Besonders einfach klingt es immer, wenn man Berichte von manchen Nachrichtentickern abliest - wenn nicht Lybien derzeit schuld ist, dann ist es eben einfach Nigeria. So schnell findet der Markt seine Schuldigen für Kurstreiber bei Rohöl. Doch es geht noch einfacher. Der US-Dollar bleibt günstig, man kauft verbilligt Rohöl ein, die Nachfrage bleibt hoch und ebbt nicht ab, obwohl viele Analysten der Ansicht waren, dass Brent Crude Oil unter die Marke von 100 US-Dollar fällt. Besonders die Anzeichen eines "Double-Dip" in den USA und die schwächeren Daten aus UK und von der EU-Lokomotive "Deutschland" hatten viele Analysten auf den "Rezessions-Weg" gebracht. Einhergehend wurden die Kursziele für den Brent-Crude-Oil-Kontrakt nach unten revidiert. Weniger prosperierende Wirtschaft benötigt auch weniger Öl. Diese Rechnung ging zumindest, was diesen Punkt angeht schon einmal nicht auf. Sondereffekte sind nun einmal mehr die Kriege in Lybien und "kriegsähnliche" oder zumindest bedrohliche Anschläge in Nigeria. Schnell werden Angebote knapp und Versorgungswege gefährdet. Der Transport des Brent Crude ist nicht immer gesichert. Großer Abnehmer des Rohöls aus Nigeria ist die USA, gigantische Mengen des Lybischen Rohöls gehen nach Europa. Seit den Befreiungskriegen in Lybien und der Schlacht um Bengasi und Tripolis galt das Öl aus Nigeria mehr und mehr als ein kompensierender Faktor. Solange Lybien ausfällt, konnte Nigeria einspringen und die Quoten erhöhen. Nun ist auch dieser Versorgungspunkt gefährdet und der Preis zieht demnach rapide an. Der Spread zwischen dem amerikanischen Rohöl der Sorte WTI und Brent bleibt weiter sehr hoch. Der Spread beträgt derzeit über 25 US-Dollar je Fass.

Nigeria als nächster Krisenherd?
Gemäß den Berichten der ausländischen Presse explodierte am Freitag ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug, dass in das UN-Gebäude in Nigerias Hauptstadt gesteuert wurde. 18 Menschen wurden getötet - dies gilt als das schlimmste Ereignis des letzten Jahrzehnts in Nigeria. Die Ereigniskette nimmt seitdem ihren Lauf. Die Gefechte in Nigeria steigern sich somit von einem zuerst nicht so ernst zu nehmendem Level auf ein nun bereits beängstigendes Niveau. Gemäß der Nachrichtenagenturen und von offizieller Seite der Regierung in Nigeria könnten nun weitere Selbstmordattentate in Nigeria folgen. Nur Gott weiß wo diese stattfinden - die Ölförderanlagen sind mit Sicherheit ein großes Ziel, auch wenn sie stark geschützt werden. Doch die Regierung gilt als schwach. Neben schwacher bis noch keiner ernst zu nehmenden Regierungsverantwortung in Lybien, einer schwachen Regierung in Nigeria, kommen dann noch die immer noch schwelenden Unruhen in Syrien, ein wiederaufkeimender Konflikt in Israel und die gesamte instabile Lage in Nordafrika bis hin zum Mittleren und Nahen Osten. Dieses Gesamtbild führt zu den steigenden Crude-Preisen.

Abwärtstrend bei Brent Crude Oil weiter intaktKlicken Sie hier, um eine grafische Darstellung zu erhalten:

Abwärtstrend bei Brent Crude Oil weiter intakt


Was sagt die Charttechnik zum Brent-Rohöl?
Am Dienstag, den 30.08.2011, pendelte Brent-Rohöl mit einer Handelsspanne vom Tief bei 111,16 US-Dollar zum Hoch bei 114,25 US-Dollar mit rund 3,20 US-Dollar. Zum Zeitpunkt der Chartanalyse (20:25 Uhr) lag der Kurs um 114,07 US-Dollar. Brent generiert im Tageschart Unterstützungen bei 110,98/ 109,66 und 108,78 sowie Widerstände bei 113,18/ 114,06 und 115,33. Mit einem RSI von 59,4561 Punkten handelt WTI im neutralen Bereich und dies auf Basis des Tagescharts. Kurzfristige Short-Positionen können bei 114,35 eingegangen werden, Long-Positionen sollten bei Intraday-Rücksetzern unterhalb der Nackenlinie (siehe Chart) im Bereich der 113,95 - 112,65 eingegangen werden. Die Hebelverhältnisse sollten nicht oberhalb der 10 gewählt werden!