09.01.2012
FXCM Wochenausblick: US-Dollar steigt, Europa vor Erholung?

Grundsätzlicher Ausblick für den US-Dollar: Neutral
- US-Dollar erholt sich, da Nonfarm Payrolls-Daten aufzeigen, dass die Wirtschaft 200.000 neue Arbeitsplätze schaffen konnte
- Möglichkeit einer neuen Spitze beim S&P 500 könnte den US-Dollar begünstigen
- Deutliches Risiko eines Rückzugs beim US-Dollar, da die Stimmung extrem wird
Der US-Dollar (Ticker: USDOLLAR) stieg gegenüber dem Euro und anderen Hauptwährungspartnern deutlich an. Dabei wurde er durch eine Verschärfung der Spannungen in der Euro-Zone und durch unerwartet positive Fundamentaldaten der US-Wirtschaft angetrieben. Im Dezember wurden auf dem US-Arbeitsmarkt unerwartet 200.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, womit die Arbeitslosenquote zum ersten Mal seit mehreren Jahren einen neuen Tiefststand erreichte und neues Vertrauen in das Wachstum der US-Wirtschaft geweckt werden konnte. Die Dynamik begünstigt eine weitere Stärke des Greenback, doch die sehr einseitige Händlerstimmung warnt vor möglichen deutlichen Korrekturen beim EUR/USD-Kurs angesichts einer weiteren Woche voller entscheidender Eventrisiken.
Ein recht leerer US-Wirtschaftskalender weist darauf hin, dass sich die Händler auf die Entwicklungen in Europa konzentrieren werden, obwohl sie etwaige Neuigkeiten seitens der Federal Reserve oder die für das Ende der Woche angekündigten vorläufigen Einzelhandelsdaten nicht vernachlässigen sollten. Die Safe-Hafen-Währung US-Dollar wurde am Freitag trotz gleichzeitig stattfindender Rally beim negativ korrelierten S&P 500 und einer höheren Risikobereitschaft auf dem Finanzmarkt deutlich höher gehandelt. Warum eigentlich?
Wir sind der Meinung, dass der US-Dollar von den deutlich positiveren Erwartungen, die in die Währungspolitik der Federal Reserve gesetzt werden, profitieren konnte. Da die Nonfarm Payrolls-Daten besser als erwartet ausgefallen sind, fällt der Druck von der Federal Reserve ab, weitere Anpassungen bei der Währungspolitik vornehmen zu müssen. Solche Entwicklungen lassen erwarten, dass der US-Dollar von weiteren Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt profitieren könnte.
Ein besonderes Augenmerk wird auf die anstehenden Nachrichten der Federal Reserve gelegt. Das Protokoll der Dezembersitzung des Offenmarktausschusses des Federal Reserve Board (US Federal Open Market Committee, FOMC) enttäuschte die Dollar-Bullen, da die Federal Reserve in Politikfragen einen eher zurückhaltenden Ton anschlug. Dennoch bleibt es wichtig zu beobachten, wie die Ausschussmitglieder auf die Nonfarm Payrolls-Daten vom Dezember und ihre Auswirkungen auf die Beschäftigungsentwicklung reagieren werden.
Der Fokus des US-Dollar bleibt sonst voll und ganz auf der Euro-Zone und ihren diversen Haushaltskrisen. Es kann kein Zufall sein, dass der EUR/USD-Kurs einen neuen Tiefststand erreichte, als die Differenz zwischen den Erträgen italienischer und deutscher 10-Jahres-Staatsanleihen einen neuen Höchststand seit Einführung des Euro erreichte. Der Commitment of Traders-Bericht des CFTC zeigt auf, dass Spekulanten den niedrigsten Netto-Shortpositionen des Euro gegenüber dem US-Dollar in der Geschichte nahe sind. Kommerzielle Händler befinden sich bei den höchsten Nettoverkaufspreisen und es ist klar, dass die Positionierung gefährlich einseitig ausfällt. Doch was müsste passieren, damit ein Umkehrtrend beim EUR/USD-Kurs erzwungen werden könnte?
Es ist offensichtlich, dass die anfängliche Euphorie angesichts vergangener europäischer Gipfeltreffen und neuer Rettungspläne nur von kurzer Dauer war und Händler mehr als nur schöne Worte brauchen, um den Euro anzuheben. Das Hauptproblem besteht darin, dass die Ausmaße der Staatsverschuldungen unsicher sind. Nur wenige sind bereit, italienische oder spanische Staatsanleihen zu kaufen - insbesondere, da beide Länder in den ersten drei Monaten des Jahres einer erheblichen Anleihetilgung gegenüberstehen und einen hohen Kreditbedarf haben. Diese Unsicherheit treibt den Euro auf Kosten der Safe-Hafen-Währung US-Dollar deutlich nach unten. Solange diese Strömungen anhalten, ist zu erwarten, dass der EUR/USD-Kurs neue Tiefen erreichen wird.
Auf technischer Ebene gibt es nur wenige Hindernisse, die einer anhaltenden Schwäche des Euro im Weg stehen könnten. Tatsächlich lässt die erste Reaktion darauf schließen, dass der EUR/USD-Kurs einen Stand von 1,2590 USD erreichen könnte, bevor er wieder einen Sprung nach oben macht. Selbstverständlich mahnt eine derart einseitige Stimmung davor, dass jede mögliche Rally zur Eindeckung von Shortpositionen heftig ausfallen könnte. Es wird entscheidend sein zu beobachten, wie der US-Dollar sich bis Sonntag entwickeln und welchen Schlusskurs er am Montag erreichen wird. Typischerweise gibt der erste Handelstag der Woche das Tempo für die folgenden Tage an und das hohe Risiko einer Trendumkehr legt einen besonderen Schwerpunkt auf einen frühzeitigen Handel.
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